Boho beach style

Die Koffer sind gepackt. Voll mit alten, vertrauten Dingen und neuen, wunderschönen Erinnerungen. 

Die letzten drei Wochen verliefen ganz nach meinem eigenen Rhythmus. Kein Wecker, der mich morgens aus dem Bett reißt um eine Uhrzeit, die einfach nicht meine ist. Keine Aufgaben, deren Sinn ich nicht erkennen kann. 

Ich sitze im Flugzeug, reflektiere diese letzten Wochen. Ein Gedanke kommt immer wieder auf, unterbricht meinen Gedankenfluss: Morgen geht es wieder in die Arbeit. 

Am Flughafen habe ich eine Unterhaltung aufgeschnappt, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Ein junger Mann sagte zu seiner Freundin, dass so viel Zeit auf ihrem Flug nach Los Angeles verloren gehen würde. 

Die Frau lachte liebevoll und erwiderte, dass er seine negativen Gedankenmuster wohl niemals ablegen wird. 

Er könnte doch froh sein und die Dinge anders sehen. Früher hätten sie jeden Tag neun Stunden am Tag mit Aufgaben zugebracht, die sie nicht erfüllten. Sie hatten mehr Sicherheit und ein geregeltes Einkommen gehabt, aber sie lebten nicht das Leben, das sie sich vorstellten. Ihnen fehlte einfach Zeit für die Dinge, die sie erfüllen. Die sie lieben, zu tun. Er könne doch froh sein, dass sie jetzt jeden Tag so gestalten können, wie sie wollen. Dass sie jetzt etwas tun, was sie lieben.

Der Mann entspannte sich wieder, nannte sie seine Positivistin. Umarmte sie und sie gingen zum Gate, entfernten sich von mir.

 

Zeit ist das Kostbarste, das wir haben

Warum gehen so gut wie alle den Weg, ihre Lebenszeit gegen Geld einzutauschen? Ich mache das. Jeden Tag. So gut wie jeder, den ich kenne, macht es. Der verhasste Montag. Warum ist das Wochenende so kurz und die Woche so lang? Wir werden diese Zeit niemals wiederkriegen. Dieser Moment ist alles, was wir haben. 

Am Montag schon den Freitag nicht erwarten können und am Freitag den bittersüßen Geschmack des Wochenendes genießen. Unternehmen, was man liebt, immer mit einem Hauch von Wehmut. Weil es ja wieder so schnell vorbei sein wird. 

 

Was zur Hölle machen wir mit unserer Zeit?

Jeder von uns hat etwas sehr Kostbares: Zeit. Zeit, die wir nicht so verbringen, wie wir es wollen. Die wir nie wieder zurückbekommen werden. 

Wir tauschen das Kostbarste, das wir haben, gegen Geld ein. Um Dinge zu kaufen, die wir uns nicht leisten können. Um damit dann Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen. 

Das Problem ist, dass man kaum mit jemandem darüber sprechen kann. Fast jeder, mit dem man so ein Gespräch anfängt, sagt so etwas wie:

„ Ja, das ist wirklich scheiße. Aber was soll man machen. Von irgendwas muss man ja leben.“

Mein Problem ist: Das reicht mir nicht. Ich kann das nicht mehr hören. Es ist ja nicht so, als würde es keine Leute geben, die das alles hinter sich gelassen und etwas erreicht haben im Leben. Die wirklich mit vollkommener Überzeugung sagen können:

„Ich liebe mein Leben und lebe jeden Tag exakt so, wie ich will. Ich koste das Leben vollkommen aus.“

Ich will damit niemanden angreifen. Es gibt sicher viele von euch, die ihren Traumjob ausüben und die 9 Stunden im Büro (oder wo auch immer) noch nicht einmal merken, weil sie lieben, was sie tun. Für die ihre Arbeit keine Arbeit ist.

Dieser Blogpost richtet sich aber an die, denen es so geht wie mir. Die im Büro sitzen, super mit den Kollegen auskommen, tolles Feedback bekommen. Und denen hin und wieder ein Gedanke kommt, der sich von hinten anschleicht und in einem unerwarteten Moment, der sich im Grunde in nichts von allen anderen Momenten abhebt, überfällt:

„Was zur Hölle mache ich eigentlich hier??“

Wir werden diese Zeit niemals wiederkriegen. Dieser Moment ist alles, was wir haben. 

 

Was wäre, wenn du dich selbst treffen würdest?

Irgendwo habe ich mal von einer tollen Übung gehört. Es geht dabei darum, ob man sein Leben, wie man es jetzt lebt, vor sich selbst als kleines Kind rechtfertigen müsste, wenn man sein eigenes (als Beispiel zehnjähriges) Ich treffen würde. 

Wow, diese Übung, oder eher allein der Gedanke, hat es so in sich! Ich bin von Natur aus ein sehr dankbarer Mensch. Manchmal sehe ich einen schönen Sonnenaufgang und muss ein paar Tränchen verdrücken, weil ich auf der Welt bin und das sehen kann. Darum liegt es mir auch fern, mich darüber zu beklagen wie, mein Leben aussieht. Und mir mehr zu wünschen. Sofort drängt sich der Gedanke auf: Was ist mit der Tatsache, dass sich so viele Menschen nach einem solchen Leben sehen, wie ich es habe? Darf ich überhaupt mehr wollen?

Aber: Wenn ich mein zehnjähriges Ich treffen würde, müsste ich mich stundenlang rechtfertigen. Es würde ein sehr langes und sehr schmerzhaftes Gespräch werden. Dabei habe ich noch nicht einmal intensiv darüber nachgedacht und schon sind 8 Fragen auf mich eingeschlagen, die mein zehnjähriges Ich mir definitiv stellen würde:

 

  1. Du hast mit sechs Jahren in ein Freundschaftsbuch geschrieben, dass du Autorin werden willst. Du liebst das Schreiben heute noch mehr als an dem Tag, an dem du den Eintrag im Freundschaftsbuch gemacht hast. Warum arbeitest du in einem Büro?
  2. Du bist ein sehr emotionaler Mensch und musst immer 1000% hinter einer Sache stehen, die du machst, damit du glücklich bist und es ein voller Erfolg wird. Bist du mit dem, was du täglich, an 5 Tagen in der Woche machst, mit dem Herzen dabei?

3.   Du wolltest immer eine Schule in Afrika aufbauen. Wie läuft es damit?

4.  Du bist ständig überall rumgesprungen, warst in allem die schnellste und voller Energie. Du  hast es so geliebt, dich so lebendig zu fühlen. Fühlst du dich im Moment lebendig?

5.  Du hast eine blühende Phantasie, glaubst an Wunder und denkst, es gibt keine Zufälle. Deine Vorstellung vom Leben ist, dass es etwas Magisches ist und jeden Tag gewöhnlichen Menschen ganz ungewöhnliche Dinge passieren. Du glaubst nicht an Zufälle. Warum glaubst du nicht an dich selbst?

6. Die Welt fasziniert dich. Du denkst, es ist fast ein Verbrechen die Möglichkeit zu haben, diese wunderschöne Welt bereisen zu können, es aber nicht zu tun. Wie läuft es mit deiner Weltreise?

7. Du hast nie auf andere gehört, innerhalb von Sekunden alles Mögliche entschieden. Dein Bauchgefühl hat dir immer den Weg gezeigt. Du bist super damit gefahren. Warum kannst du dich nicht mehr entscheiden und erstellst Pro- und Contra – Listen?

8. Du hast das Zitat „Wir leben nur einmal. Aber wenn man es richtig macht, ist einmal genug“ immer gemocht und auch gefürchtet. Denn zeitweise hattest du das Gefühl, mehrere Leben zu benötigen.

Wie ist es im Moment? Magst oder fürchtest du das Zitat?

DO what you fucking LOVE

Was ich aus all dem ziehe… Man sollte verdammt nochmal das tun, was man liebt. Weil man nur dadrin eine gigantische Ausdauer hat, die zu nachhaltigem Erfolg führt. Weil man nur dann niemals auch nur einen Tag im Leben arbeiten wird.

Und das wichtigste: Damit man sich am Ende des Lebens kein Zweites wünschen muss. Denn wer weiß schon, ob es dann eins gibt?

Aber eins wissen wir sicher: Wir haben jetzt. Wir haben diesen Moment. Wir müssen ihn nutzen. Auskosten. Spüren.

Er kommt nie wieder. Er ist einmalig. Genauso wie dein Leben, das aus einer Aneinanderreihung solcher Momente besteht.

Unterschrift_Neu_1

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